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Latein im 21. Jh. – Schon lange nicht mehr so wichtig wie jetzt

Nein, es ist nicht gemeint, dass das Medizinstudium vermeintlich leichter würde. Auch geht es nicht um Vorteile beim Lernen anderer Fremdsprachen in späteren Lebensphasen. Hand aufs Herz: Was für ein mieser Tradeoff wäre das denn, für eine gewisse Erleichterung in diesen Bereichen sechs bis acht Jahre zu investieren? Nein, Latein ist aus ganz anderen, viel wichtigeren Gründen immer noch ein sehr beliebtes Fach. Immerhin wird es – von außen vielleicht: überraschenderweise – in Abi-Zeitungen in die Top3 der Fächer gewählt, in denen „man was fürs Leben lernt“.

AI Leadership = Übersetzungskompetenz!

Woran liegt das? Erstens: Lateinunterricht vermag es, durch die Natur des Übersetzenlernens Denkstrukturen anzulegen, die gerade in KI-geprägter Zeit extrem hilfreich sein werden: Dort heißt es Prompting, Tokenisierung und Vektorisierung – in Latein nennen wir das „Leseerwartung entwickeln“, „Satzstrukturen erfassen“ und „Semantisierung von Vokabelwissen“. Konkret gesagt: Wer übersetzen lernt, lernt AI Mastery.

Wie Latein AI Mastery befördert (Schülerarbeit, Klasse 11)

Tote Sprache? Nee, gesuchte Denkstrukturen!

Zweitens: Dass der Lateinunterricht vor allem strukturiertes Denken und diszipliniertes Arbeiten zu lehren vermag, ist auch in der Berufswelt schon lange bekannt: Jedes Mitglied der Fachgruppe könnte Ihnen von auf den ersten Blick abwegigen Jobangeboten erzählen, die man nach dem Studium erhält. Tenor ist dabei: Das bisschen BWL (…) bringen wir Ihnen bei, aber Sie haben nachgewiesen, dass Sie strukturiert, zielorientiert und mit hoher Ambiguitätstoleranz denken können. Wie kommt man darauf? Weil jede Lateinübersetzung und jede daran angelehnte „Forschung“ diese Fähigkeit trainieren. Immer und immer wieder.

Lange vorbei? Immer wieder der gleiche Mist!

Wer zudem – drittens – mit einem Auge in die Lehrpläne und Texte und mit dem anderen Auge auf die Gegenwartspolitik schaut, wird erstaunt sein, wie wenig sich an Redestrategien und den Mechaniken der Herrschaft geändert hat. Die Beschäftigung mit z.B. Ciceros Philippika führt unmittelbar dazu, populistisches Gemaule von substantieller Kritik unterscheiden zu können. Wer versteht, wie Augustus mittels Maecenas die Literatur seiner Zeit unter Kontrolle gebracht hatte, indem nur gedruckt und verteilt wurde, was im Sinne des Kaisers war, kann sich mündig und kritisch in den Algorithmen der Sozialen Medien bewegen. Usw., usw. – das sind nur wenige Beispiele unter vielen, durch die das Fach Latein sogenannte anthropologische Konstanten, also Handlungsmuster, die sich epochenunabhängig zu wiederholen scheinen, erfahrbar macht. Durch die didaktisch geschickte Behandlung von konkreten Einzelfällen wird das sogar schon ab Klasse 6 erstaunlich anschlussfähig!

Kulturwissenschaft live – Exkursionen und AGs

Fahrt nach Neapel (ab Kl. 9)

Jährlich organisiert die Fachgruppe eine Fahrt nach Neapel, anhand derer römisches Leben, wie zuvor in Quellen erforscht, plastisch wird. Die Rückmeldungen der Schüler sind immer wieder enthusiastisch! (Organisation und Gestaltung: Herr Laudenklos)

 

Fahrt nach Xanten (Kl. 7)

In der Colonia Ulpia Traiana können die Kids zwei Tage lang selbst Römer sein, sozusagen. Besser, als wir das könnten, stellt der Veranstalter dar, was in Xanten Phantastisches geboten wird. (Begleitung und Gestaltung durch die jeweilige Fachlehrkraft).

 

AG: Unfallfreies Denken (ab Kl. 9)

Der Fachbereich Latein bietet – nicht nur, aber besonders für Lateinschüler – eine Vertiefung kulturwissenschaftlicher Fragen an, die sich allesamt um vernunftgeleitetes Denken drehen: Wie erkenne, analysiere, kontere ich Populismus? Was ist demokratische Führungskultur? Wie finde ich raus, wenn ich unfair handele oder behandelt werde – auf dem Schulhof, in der Chatgruppe, im Unterricht, zu Hause, im späteren Beruf? Was ist demokratische Führungskultur und wie kann ich in welchen Situationen Gespräche und andere Interaktionen so beeinflussen, dass sie in die richtige Richtung laufen? All das wird, stets im Anschluss an klassische Dialektik Platons und andere große Denker der (antiken und späteren) Philosophiegeschichte schülernah erfahrbar und anwendbar gemacht. (Konzeption und Durchführung: Herr Dr. Thielen)

„Unfallfreies Denken“ ist durch diverse Ministerien, Behörden und Stiftungen als besonders wertvoll gekennzeichnet worden und wird deutschlandweit an Schulen, Universitäten, Studienseminaren und in anderen Kontexten angeboten. Daran anschließend ergeben sich immer wieder Kooperationen mit außerschulischen Stellen statt. Regelmäßig finden statt:

Kooperation: Begabungsförderung der Uni

Jedes Jahr dürfen einige Schülerinnen oder Schüler des HGW im Rahmen eines einwöchigen Seminars der Kurt-Alten-Stiftung interkulturelles Miteinander, demokratische Führungskultur sowie Theorie und Praxis entsprechender Rhetorik studieren. In diesem in der Regel kostenneutralen Förderprogramm arbeiten sie mit den besten 5% ausgewählter Studiengänge Hand in Hand zusammen und können sowohl universitäres Arbeiten als auch über den Tellerrand weisende Inhalten aus erster Hand kennenlernen. Besonders interessant empfinden die Teilnehmenden, dass Finanzwissenschaftler, Juristen, Produktionstechniker, Rechtsphilosophen und BWL/VWLer in dieser Veranstalter ihre Perspektiven zusammenbringen – und immer wieder große Freude daran haben, das schülernah anschlussfähig zu machen. (Begleitung: Herr Dr. Thielen)

Kooperation: Jugendpolitik in Berlin (KAS) 

Die Konrad Adenauer Stiftung organisiert einmal im Jahr den Jugendpolitiktag in Berlin, zu dem ausgewählte Schülerinnen und Schüler unter einem Leitthema in verschiedenen Arbeitsformen (Theaterworkshop, Rhetoriktraining, Diskursanalyse, Poetry Slam, verschiedene sozialwissenschaftlich orientierte Perspektiven…) ihre Kompetenzen austauschen und mit Experten verbessern können. Hier lassen sich auch bekannte Gesichter aus der Bundespolitik oder Fernsehgrößen und Influencer hautnah erleben, die immer wieder entweder kurz „reinschnuppern“ oder Workshops anbieten. In hochinteressanten Impulsvorträgen und Fragerunden kommt man zu theoretischem Tiefgang und einer Reflexion von Praxiserfahrungen, die im Unterrichtsalltag kaum einmal möglich ist. Das Fach Latein des HGW stellt dort jedes Jahr im Rahmen der AG „Unfallfreies Denken“ die Diskursanalyse und darf Plätze mit HGW-Schülerinnen / Schülern belegen. (Organisation und Begleitung: Herr Dr. Thielen)

Organisation von Latein am HGW

Das Fach Latein beginnt ab Klasse 6 und wird alternativ zu Französisch als zweite Fremdsprache gewählt. Mit dem erfolgreichem Abschluss in Klasse 11 („ausreichend“ oder besser) ist das Latinum automatisch errungen, wie es für einige Studiengänge gefordert ist. Ab Klasse 11 wird, falls die Anwahldichte es zulässt, Latein auch als dritte Fremdsprache noch angeboten. Das Latinum wird dann durch erfolgreichen Abschluss des Fachs in Klasse 13 (durchgängige Belegung seit 11) erworben.

Kontakt: Dr. Thielen (Fachobmann)

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